SPD-Stadtverband diskutiert über die Zukunft von Stadt und Staatsbad
Bad Oeynhausen. „Bad Oeynhausen ist schön“, findet der Pfälzer Frank Oette. „Es gibt hier eine hervorragende Infrastruktur und gute Chancen, die Stadt gegenüber den Wettbewerbern regional und überregional zu vermarkten.“ Der Geschäftsführer der Staatsbad GmbH und der Leiter des Eigenbetriebs Staatsbad, Dirk Henschel, standen am Freitagabend bei der Stadtverbandsversammlung der SPD Rede und Antwort. Thema: „Die Zukunft von Stadt und Staatsbad als Gesundheits- und Tourismusstandort“.
Lobhudelei fand an diesem Abend im Hotel Hahnenkamp allerdings nur wenig Raum, denn es ging schlicht um die Frage „Wie ist das Staatsbad aufgestellt? Was passiert, wenn ab 2014 die Landesmittel nicht mehr fließen?“
Neben der schlechten finanziellen Perspektive droht nun auch Ungemach von anderer Seite: „Der Titel Staatsbad ist nicht mehr per Gesetz gegeben, sondern wir müssen uns wie alle Kurstädte in NRW einer Überprüfung stellen“, erklärte Dirk Henschel. Und bei dieser Überprüfung durch die Bezirksregierung gehe es nicht nur um Infrastrukturfragen, sondern auch um Klima- und Luftqualität, so Henschel. „Und wir alle wissen, was das heißt.“ Schlimmstenfalls müsse Oeynhausen künftig ohne den Zusatz Bad auskommen. Überprüft werden die Qualitäten der Kurstadt wohl im kommenden Jahr.
Im Jahr 2003 hatte das Land NRW entschieden, sich vom landeseigenen Staatsbad zu trennen. „Die Stadt sah damals die Möglichkeit neuer Gestaltungsmöglichkeiten bei der Übernahme des Staatsbades“, hatte SPD-Stadtverbandsvorsitzender in seiner Begrüßung gesagt. Die Details seien damals im Kommunalisierungsvertrag festgehalten worden. Dieser Vertrag läuft nun am 31. Dezember 2013 aus. „Die Entscheidung darüber, ob der Schritt zur Übernahme damals richtig war, hängt immer noch in der Luft“, merkte der ehemalige Stadtdirektor Klaus-Walter Kröll an. Tatsache sei, so Kröll, die Stadt habe nun marode Gebäude und eine marode Staatsbad-Verwaltung am Hals.
Ein solch düsteres Bild zeichneten Henschel und Oette dagegen nicht. „Unser Ziel ist es, die Gebäude des Staatsbades in den Zustand zu bringen, der der nächsten Generation keine Kosten aufbürdet“, so Henschel. Vier Millionen Euro veranschlagt Henschel für die Instandhaltung der Gebäude, Elf Millionen Euro weist der Eigenbetrieb Staatsbad als Rücklagen auf, daraus ergeben sich jährliche Zinseinnahmen von 250.000 Euro. Der anfängliche Verlustausgleich des Landes von 787.000 Euro hat sich mittlerweile reduziert auf 350.000 Euro. „Im Jahr 2014 rechne ich mit einem Verlust von mehreren hunderttausend Euro“, so der Eigenbetriebsleiter.
Mit den Pfunden des Staatsbades stärker wuchern möchte Frank Oette. „Bad Oeynhausen hat sein Licht bisher unter den Scheffel gestellt.“ Der Staatsbad-Geschäftsführer sieht drei Säulen der Vermarktung: Tourismus, Kultur und den Gesundheitsbereich. Mit Wellness-Angeboten will Oette nicht nur Übernachtungsgäste in die Stadt holen, sondern auch Tagesgäste. „Jeder Tagestourismus gibt im Schnitt 30 Euro aus“, sagt Oette.
Aber auch das Übernachtungsangebot müsse zwingend ausgebaut werden. „Die Kapazitäten fehlen, wir haben etliche Anfragen von großen Gruppen“, zielte Oette auf das geplante Hotel. 90 Prozent der Gäste übernachteten in Kliniken. Um die Qualitäten der Stadt zu bewerben, bräuchte es professionelles Marketing und keines „aus der hohlen Hand“, warnte Frank Oette vor weiteren Kürzungen.
Blicken optimistisch in die Zukunft von Stadt und Staatsbad: Dr. Olaf Winkelmann, Dirk Henschel, Frank Oette und Klaus Mueller-Zahlmann. FOTO: NICOLE BLIESENER
Quelle: NW vom 28.03.2011