Bad Oeynhausen/ Kreis Minden-Lübbecke (AM): Zum „Integrativen Spiel- und Bewegungsfest“ anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Wittekindshofer Therapiezentrums war der Landtagsabgeordnete Karl-Heinz Haseloh terminlich verhindert. Trotzdem war ihm das Jubiläum so wichtig, dass er sich zusammen mit Landrat Dr. Ralf Niermann, der Bad Oeynhausener SPD-Fraktion und den Vorstandsmitgliedern der SPD- Kreistagsfraktion im Wittekindshof über das Therapiezentrum und den Gesundheitsdienst ausführlich informieren lies.
„Durch einen solchen Besuch vor Ort wollen wir die Herausforderungen und die Folgen politischer Entscheidungen persönlichen in den Blick nehmen,“ erklärte der Landtagsabgeordnete. „Der Wittekindshof ist seit Jahrzehnten ein zuverlässiger Partner in unserem Kreis, der insgesamt rund 2.500 Frauen und Männern einen sicheren Arbeitsplatz bietet“ so Karl-Heinz Haseloh.
Reiner Breder, der als Ressortleiter für den integrierten Gesundheitsdienst verantwortlich ist, erinnerte daran, dass Menschen mit Behinderungen erst 2004, also relativ spät, in jedem Fall Zugang zur gesetzliche Krankenversicherung bekommen haben: „Durch die Tätigkeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen tragen die Frauen und Männer selbst zur Finanzierung der Krankenversicherung bei und erleben im Umgang mit ihrer Krankenkassenkarte Gleichberechtigung und Normalität.“
Der Ressortleiter wies jedoch auch darauf hin, dass Menschen mit Behinderungen aufgrund ihres sehr niedrigen Einkommens durch die Gesundheitsreform, die alle Bürgerinnen und Bürger stärker als bisher zur Kasse bittet, besonders stark belastet seien: „Durch eine neue Brille kommen viele bereits an ihre finanziellen Grenzen,“ so Reiner Breder.
Nachdem Anfang der neunziger Jahre ebenso wie in anderen westfälischen Einrichtungen das Wittekindshofer Sonderkrankenhaus in Wohnbereiche für Menschen mit Behinderungen umgewandelt wurden, habe sich der integrierte Gesundheitsdienst entwickelt.
Zurzeit werden durch ihn über tausend Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen und gut 350 weitere behinderte Personen in dezentralen Wittekindshofer Wohnhäusern in den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford medizinisch versorgt.
Unerwartet für die SPD-Politikerinnen und Politiker war die große Diskrepanz bei der Entwicklung der Kosten im medizinischen-
therapeutischen Bereich, die in der Gesamtgesellschaft erheblich mehr angestiegen seien als die Kosten, die die Krankenkassen für die Behandlung der behinderten Menschen im Wittekindshof bezahlen.
„Das Problem spitzt sich weiter zu, weil wir zunehmend mehr Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit schweren und mehrfachen Behinderungen betreuen, die einen entsprechend hohen medizinischen und therapeutischen Betreuungsbedarf haben, während leichter behinderte Menschen, die nur wenig medizinische Behandlung in Anspruch nehmen, den Wittekindshof verlassen“, erklärte Reiner Breder.
Mit einem Blick auf die Altersstruktur der Wittekindshofer Bewohnerinnen und Bewohner verdeutlichte der Ressortleiter, dass in Zukunft sogar mit einem weiter steigenden medizinisch-therapeutischen Bedarf zu rechnen sei, weil viele Menschen das Rentenalter erreichten. „Zwischen dem Aufwand für den integrierten Gesundheitsdienst und den Erlösen klafft schon heute eine große Lücke, die wir schließen müssen, um die Gesundheit der bei uns lebenden Mensche sicherzustellen und ihnen Teilhaben an der Gemeinschaft zu ermöglichen,“ forderte Reiner Breder.
Malu Fels, die Leiterin des Wittekindshofer Therapiezentrums veranschaulichte an drei Personen eindrücklich, inwiefern kontinuierliche therapeutische Angebote für Menschen mit schwersten Behinderungen und daraus resultierenden gesundheitlichen Einschränkungen und Erkrankungen unbedingt nötig seien.
„Um schwere Lungenentzündungen und damit belastende Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, ist regelmäßige Atemtherapie vor allem bei Menschen, die sich selbst kaum bewegen können, nötig,“ so Malu Fels. Sie stellte aber auch ein Kleinkind vor, dass aufgrund schwerster körperlicher Fehlbildungen sich nur durch kontinuierliche physiotherapeutische Behandlung langsam Bewegungsfortschritte erarbeiten könne. Andere seinen auf regelmäßige Krankengymnastik angewiesen, um eine weitere Verschlechterung ihres körperlichen Zustands zu vermeiden.
„So kann ein Schwerpunkt der Behandlung die Erhaltung der Sitzfähigkeit sein. Im Sitzen sieht die Welt ganz anders aus als im Liegen. Ziel aller therapeutischer Maßnahmen ist immer, die Teilhabe und die Integration, beispielsweise in eine Werkstatt für behinderte Menschen.“
Bildunterschrift: Karl-Heinz Haseloh (MdL), Eberhard Bigalke, Olaf Winkelmann, Ralf Sensmeyer, Malu Fels, Ulrich Kaase, Roland Engels, Landrat Dr. Ralf Niermann und Reiner Breder