Sozialdemokraten diskutieren mit Experten über die Zukunft der Rente
Bad Oeynhausen. Der Rente geht es gut. Momentan zumindest. Und auch in Zukunft werde die Rentenversicherung eine Rente auszahlen können. Das war die gute Nachricht der SPD-Stadtverbandsversammlung zur Zukunft der Rente. Zur Diskussion mit den Renten-Experten Anton Schaaf und Dr. Reinhold Thiede stand viel mehr das Ungewisse: Die Höhe einer zukünftigen Rente und die Herausforderungen, die Altersarmut und demographischer Wandel mit sich bringen.
„Es gibt kein Thema, was so im Mittelpunkt steht und umstritten ist, wie die Zukunft der Rente“, eröffnete der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Dr. Olaf Winkelmann die Diskussionsrunde, deren Untertitel „Welche Wege gibt es aus dem Rentendilemma?“ lautete. Doch von einem Dilemma der Rente, wollte Anton Schaaf, rentenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, nichts hören. „Die Rente hat kein Dilemma. Der Rentenversicherung geht es ziemlich gut. In Deutschland haben wir das beste Altersvorsorgesystem der Welt“, stellte Schaaf klar. Eine Aussage, der auch Dr. Reinhold Thiede von der Deutschen Rentenversicherung Bund zustimmte. „Eigentlich stehen wir viel zu gut da, ich habe vielmehr Angst, dass bei dem ein oder anderen Begehrlichkeiten aufkommen.“
Das Geheimnis der soliden Rentenversicherung ist das Umlagefinanzierungsverfahren. „Das Geld für die Rente liegt nicht an Kapitalmärkten, sondern das haben die heutigen Versicherten“, erklärte Thiede. Insbesondere die Kombination von Umlageverfahren und demographischem Wandel war es jedoch, die die Gäste im Pavillon der Volksbank in Eidinghausen, in Angst um ihr Alterseinkommen versetzte. Privat angelegtes Einkommen habe man schließlich selbst in der Hand, so eine Stimme aus dem Publikum. Dieser Vermutung widersprach Thiede und verwies auf Beispiele aus der Geschichte. „Im Falle einer Inflation ist das alles weg.“
Deshalb empfahl er den mehr als 50 Gästen, eine gemischte Altersvorsorge aus der Rentenversicherung und privater Vorsorge. „Der demographische Wandel ist ein Problem, aber das haben wir in den 80ern schon erkannt. Im Ergebnis haben die Rentenreformen dazu geführt, dass die Rentenversicherung nachhaltig finanziert und auch 2030 noch bezahlbar ist“, so Thiede. Ob die Menschen 2060 mit 69 in Rente gehen müssten, könnte heute noch niemand wissen. „Man weiß nicht, wie sich die Währungen entwickeln und man weiß auch nicht, wie sich das Wetter entwickelt, aber über die Entwicklung der Rente, da will man etwas wissen. Das ist ein Scheinproblem“, so Thiede. Es stelle sich vielmehr die Frage, ob die Rente dann noch genug bringe. Denn von Altersarmut sind nach Auskunft Anton Schaafs knapp vier Prozent der Rentner schon heute betroffen. Über die Hälfte dieser Menschen habe allerdings überhaupt keinen Rentenanspruch, ergänzte Thiede, „das Ziel muss es sein zu vermeiden, dass die Leute überhaupt in so eine Situation kommen. Der sicherste Schutz vor Altersarmut ist ein ordentlicher Job und ein gutes Einkommen.“
Das hatten diese vier Prozent, die nach Auskunft Schaafs größtenteils weiblich sind und aus dem Westen stammen, gewiss nicht. „Wir müssen die Ursache für Altersarmut bekämpfen und das ist prekäre Beschäftigung“, so Schaaf, „dass was wir in der Arbeits- und Familienpolitik falsch gemacht haben, kann die Rentenversicherung nicht ausgleichen.“
© 2011 Neue Westfälische - Bad Oeynhausen, Freitag 04. November 2011