SPD regt Bau einer zentralen Wasserenthärtungsanlage an / Thema am 12. Februar im Hauptausschuss
von Nicole Bliesener
Bad Oeynhausen. Es ist eine Wohltat für Haut, Haare und Haushaltsgeräte: weiches Wasser. Um ihren Bürgern dies zukommen zu lassen, setzen viele Kommunen, vornehmlich im südwestdeutschen Raum, auf zentrale Wasserenthärtungsanlagen. Den Bau einer solchen Anlage am Wasserwerk möchte nun auch die Bad Oeynhausener SPD anregen. In der nächsten Sitzung des Hauptausschusses am 12. Februar soll das Thema diskutiert werden.
Mit diesem Fraktionsantrag möchte der SPD-Stadtverband eine Untersuchung initiieren, die zunächst die Vor- und Nachteile erfasst und dann durch Informationsveranstaltungen den Bürgerwunsch ermittelt.
"Wir haben qualitativ hochwertiges Trinkwasser, das jederzeit bedenkenlos getrunken werden. Aber wir haben auch ein sehr hartes Trinkwasser mit hohem Kalkanteil", sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Olaf Winkelmann.
Das Bad Oeynhausener Trinkwasser liegt im harten bis sehr harten Bereich. Nördlich der Werre wird der Härtegrad mit 21,9 Grad dH (deutsche Härte) angegeben und südlich der Werre sogar mit 24,1 - wie auf der Homepage der Stadtwerke nachzulesen ist.
"Die große Wasserhärte verursacht zahlreiche Schäden in den Haushalten, betroffen sind sämtliche Geräte, die Wasser erhitzen, insbesondere Kaffeemaschinen und Waschmaschinen. Aber auch Wasserleitungen und Armaturen verkalken schneller", begründet Winkelmann den Antrag. Ein höherer Verbrauch an Wasch- und Reinigungsmitteln sowie an Regeniersalzen seien die Folge. Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfachwerks empfiehlt eine zentrale Wasserenthärtung bereits ab einem Härtegrad von 20 dH.
"Allerdings", weiß Winkelmann, und das sei der Knackpunkt, "gibt es weiches Wasser nicht zum Nulltarif." Untersuchungen gingen von einer Erhöhung des Wasserpreises von 10 bis 40 Cent pro Kubikmeter aus. "Das entspräche einer jährlichen Mehrbelastung von bis zu 64 Euro für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt mit einem Wasserverbrauch von 160 Kubikmetern", so Winkelmann.
Den höheren Kosten stellt Olaf Winkelmann die Vorteile gegenüber. Bei der Warmwasserbereitung in Haushalten und Betrieben werde Energie ein gespart, die zentrale Enthärtung sei kostengünstiger als die dezentrale, der Zeitaufwand für Reinigungsarbeiten im Haushalt sei bei enthärtetem Wasser deutlich geringer. Außerdem reduziere sich durch eine zentrale Wasserenthärtung die Menge an Reinigungsmitteln, Salzen und Phosphaten, die ins Abwasser eingeleitet werden.
Sehr gute Erfahrungen mit einer zentralen Wasserenthärtung hat beispielsweise die Stadt Rastatt gemacht. Die 46.000 Einwohner zählende Kommune in Baden-Württemberg hat im April 2011 in ihrem Wasserwerk Ottersdorf eine zentrale Wasserenthärtungsanlage in Betrieb genommen. "Die ist in der Bevölkerung durchweg positiv aufgenommen worden. Widerstände gegen die Anlage hat es nicht gegeben", weiß Michael Janke, Leiter der Redaktion Rastatt der Badischen Neuesten Nachrichten. Die Stadt Rastatt hat nach Auskunft von Stefan Neumeister, Abteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit bei den Star-Energiewerken, die das Wasserwerk Ottersdorf betreiben, 3,4 Millionen Euro in die neue Anlage investiert. Das Wasserwerk produziert mit dieser zentralen Wasserenthärtungsanlage jährlich 2,8 Millionen Kubikmeter enthärtetes Trinkwasser. Der Härtegrad des Wassers wird dabei von 20 dH auf 10 dH reduziert. Der Wasserpreis wurde um 20 Cent erhöht. "Nach den Berechnungen des Technologiezentrums Wasser Karlsruhe (TZW) spart ein Haushalt in Rastatt durch das weichere Wasser rund 50 Cent pro Kubikmeter an Ausgaben", resümiert Stefan Neumeister auf Anfrage der Neuen Westfälischen.
Quelle: NW vom 04.02.2014