Foto: Nicole SielermannEidinghausener Frank Nickol geht nach Servet Dag als zweiter Bad Oeynhausener Kandidat ins Rennen
Bad Oeynhausen/Berlin (nisi). Frank Nickol ist der zweite Bad Oeynhausener, der die Nachfolge von Wolfgang Spanier als Bundestagsabgeordneter der heimischen SPD in Berlin antreten möchte. Der 37-jährige Nickol hat vor wenigen Tagen seine Kandidatur bekanntgegeben und tritt damit gegen Servet Dag, ebenfalls aus Bad Oeynhausen, und Stefan Schwartze aus Vlotho an. Nach 15-jähriger Abgeordneten-Tätigkeit wird der Herforder Wolfgang Spanier bei der Wahl 2009 nicht mehr kandidieren.
Frank Nickol ist in Bad Oeynhausen kein Unbekannter. Von 1994 bis 2004 saß er bereits für die SPD im Stadtrat. Aus beruflichen Gründen verzichtete er damals auf eine erneute Kandidatur. Ihn zog es stattdessen ins Bundesministerium für Inneres, in dem er seit vier Jahren auf der Leitungsebene im Bereich für Aussiedlerfragen und Nationale Minderheiten arbeitet. Auch seine politische Laufbahn hat der gebürtige Eidinghausener in Berlin fortgesetzt: „Ich bin Abteilungsvorsitzender, das entspricht einem Ortsvereinsvorsitzenden, in Berlin-Friedrichstadt“, sagt er.
Seine Ziele hat Nickol im Gespräch mit der NW schon klar formuliert: „Ich möchte mich für die Schwächeren der Gesellschaft stark machen“, betont er. So hat er zum Beispiel schon während seiner Ratstätigkeit in Bad Oeynhausen das Gespräch mit Jugendlichen gesucht, hat sich für die Einrichtung eines Jugend-Treffpunktes stark gemacht und fordert auch heute noch eine bessere Bildungspolitik: „Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig sein“, sagt er. Den Wirtschaftsstandort Bad Oeynhausen und dort vor allem den Mittelstand will er stärken, wenn er denn als Nachfolger von Wolfgang Spanier gewählt werden sollte. Die Kindergelderhöhung will er einfrieren und statt dessen jedem Kind ein kostenloses Frühstück und Mittagessen in der Schule ermöglichen.
Wen die SPD in Bad Oeynhausen nun ins Rennen schickt, ob Frank Nickol oder Servet Dag, darüber sollten die Delegierten der Stadtverbandsversammlung am Wochenende entscheiden. Und sie entschieden sich für eine interneVorauswahl in Bad Oeynhausen – ähnlich der Wahl des Landratskandidaten in 2007. Um die Bewerbungsfristen einzuhalten, werden jedoch beide Kandidaturen an den SPD-Kreisverband weitergeleitet.
Zudem soll es vermutlich im Mai eine öffentliche Stadtverbandsversammlung geben, bei der jedes SPD-Mitglied die Chance bekommt, einen der beiden Bad Oeynhausener Kandidaten zu wählen. Dieser soll dann als alleiniger Kandidat aus der Kurstadt am Nominierungsverfahren teilnehmen. Der Verlierer dieser Vorwahl zieht seine Kandidatur zurück. Ein Nominierungsverfahren wie zur Findung des Landratskandidaten in Minden-Lübbecke ist nach Ansicht Olaf Winkelmanns, Stadtverbandsvorsitzender der SPD, der beste Weg.
Aus: NW - Bad Oeynhausener Kurier, Montag 14. April 2008
Frank Nickol will das Spanier-Erbe antreten
Bundestagskandidatur: 400 SPD-Mitglieder haben die Wahl zwischen ihm und Servet Dag
Bad Oeynhausen (WB). Aus zwei Bewerbern um das politische Erbe des SPD-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Spanier sind drei geworden. Frank Nickol (37) hat seinen Hut in den Ring geworfen.
Die anderen Kandidaten sind der stellvertretende Bad Oeynhausener Stadtverbands-Vorsitzende Servet Dag und Stefan Schwartze aus Vlotho. Er ist Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Herford. Für seine Entscheidung hatte Nickol wenig Zeit. Vor gut einer Woche erhielt er in Berlin einen Anruf aus der Oeynhausener SPD. Dahinter stehen Parteifreunde verschiedener Ortsvereine, die ihm die Kandidatur antrugen. »Ich habe das Für und Wider abgewogen und Donnerstag den Stadtverbandschef über mein Ja informiert«, erklärte Nickol.
Während der Stadtverbandsversammlung am Freitag ist entschieden worden, das sich Dag und Nickol während einer Stadtverbandsversammlung im Mai oder Juni vorstellen. Dann haben die rund 400 Parteimitglieder das Wort, wer das Rennen macht. Bis Ende November muss für den Kreis Herford und Bad Oeynhausen auch formal entschieden sein, wer bei der Bundestagswahl 2009 im Wahlkreis Herford-Minden-Lübbecke II für die SPD antritt. Stadtverbandschef Olaf Winkelmann favorisiert ein Nominierungsverfahren wie zur Findung des Landratskandidaten in Minden-Lübbecke im Vorjahr.
In Berlin arbeitet Nickol als Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten im Innenministerium. Er kümmert sich um Problemfälle, zum Beispiel, wenn es um das Bleiberecht geht. Von dieser Tätigkeit auf der Grundlage bestehender Gesetze erhofft sich Nickol bei einer erfolgreichen Kandidatur und Wahl den Wechsel zu mehr Gestaltung. »Ich sehe in unserer Gesellschaft eine soziale Schieflage.« Er würde die Pendlerpauschale auf den alten Stand zurückzuführen mit einer Anrechnung vom ersten Kilometer. »Es dürfen nicht die Leute bestraft werden, die Geld aufwenden, um regulär zu arbeiten, wenn andere auf dem Sofa sitzen bleiben.« Er ist für einen flächendeckenden Mindestlohn und sieht Bildung und Integration als Handlungsfelder: »Ich bin gegen eine Erhöhung des Kindergeldes. Lieber sollte davon für alle Schulkinder Frühstück und Mittagessen bezahlt werden.«
In Berlin ist Frank Nickol Vorsitzender des SPD in Friedrichstadt im Herzen der Hauptstadt. Als politische Heimat sieht er den Ortsverein Eidinghausen. Von 1994 bis 2004 gehörte er dem Rat als damals jüngstes Mitglied an. Der SPD beigetreten ist er 1990. In seiner Freizeit kümmert er sich um Probleme von Hartz-IV-Empfängern, auch im Umgang mit Ämtern. Nickol: »Wenn ich von meinem Diensttelefon anrufe, ist plötzlich vieles möglich. Zuvor sind die Leute abgewimmelt worden.« Setzt er sich im Kandidatenrennen durch, würde Nickol seinen ersten Wohnsitz von Berlin nach Bad Oeynhausen verlegen. Im Haus seiner Eltern in Eidinghausen hat er eine Wohnung.
Aus: WB - Oeynhausener Anzeiger, Montag 14. April 2008