SPD stellt Nachfolger für Mechtild Rothe auf
Bielefeld. Emotional, kämpferisch, aber nicht überheblich – so stellte sich Christoph Dolle den ostwestfälischen Genossen vor. Die Redezeit von zehn Minuten überschritt er dabei auch. Zum Dank gab es Beifall und 64 von 88 Stimmen. Dolle soll der neue Mann für OWL in Brüssel werden.
Der SPD-Mann versucht, ein schweres Erbe anzutreten. Mit dem Ende der Legislaturperiode macht Mechtild Rothe ihren Stuhl im Europäischen Parlament frei. „Ich bin dann 25 Jahre dabei. Es reicht“, sagt die 61-Jährige. Nein, sie sei nicht wehmütig, sondern noch voll engagiert. Rothe ist für viele die Personifizierung der SPD in Brüssel. Sie hat die Landwirtschaft reformiert, den Zypernkonflikt entschärft, ist bis heute Vorkämpferin für ein soziales und ökologisches Europa.
Und jetzt suchte die Paderbornerin mit ihren Parteifreunden einen geeigneten Nachfolger. Eine Frau war nicht in Sicht. Für einen Sitz im Europäischen Parlament traten Burkhard Blienert (Paderborn), Bernd Fiedler (Minden) und Christoph Dolle (Höxter) an.
Während Blienert auf der Regionalkonferenz in der Bielefelder Stadthalle vor allem die Worte von Mechtild Rothe wiederholte, rief Fiedler den Genossen zu, wieder näher an der Arbeiterfront zu stehen. „Beim kleinen Mann müssen wir wieder unsere Stimmen holen“, sagte der langjährige Gewerkschaftler. So recht überzeugen konnte allerdings nur Dolle. Der 32-jährige Jurist erinnerte an die Grundwerte eines modernen Europas: „Wir wollen die EU, wir wollen ein soziales Europa und wir wollen Ostwestfalens Interessen in Brüssel vertreten.“
Die ostwestfälischen Parteifreunde hat er damit überzeugt. Ob es am Ende für den Einzug ins Parlament reicht, bleibt abzuwarten. Am kommenden Samstag stimmen die NRW-Genossen in Wuppertal über die Listenplätze ab. Und erst im Dezember gibt es den Bundesentscheid. Und dann ist da ja auch noch die Europawahl 2009. Denn alle Reden helfen nicht, wenn es Dolle nicht gelingt, den Bürger zu überzeugen – von seinem Bild eines sozial gerechten Europas.
Quelle: NW - Bad Oeynhausener Kurier, Montag 18. August 2008