
Ratswahlen in Bad Oeynhausen: SPD legt leicht zu – FDP bricht ein – BBO verliert
Direktmandat
Bad Oeynhausen(WB). Die CDU bleibt stärkste Kraft vor der SPD. Die FDP muss herbe Verluste hinnehmen. Die Bürger für Bad Oeynhausen schaffen es nicht, ihr einziges Direktmandat zu verteidigen. Der Wahlabend beschert den Parteien im Bad Oeynhausener Rat so manche Zitterpartie.
Von Malte Samtenschnieder
Mit stoischer Ruhe startet Kurt Nagel in den Wahlabend. Während im großen Sitzungssaal des Rathauses I die ersten Schnellmeldungen über die Leinwände flimmern, die mal die eine, mal die andere der beiden großen Volksparteien vorne sehen, ist der CDU-Chef vom Erfolg seiner Partei überzeugt. »Am Ende werden bestimmt wir vorne liegen«, sagt er dem WESTFALEN-BLATT. Zustimmung erhält er unter anderem von Helke Nolte-Ernsting. Die erste stellvertretende Bürgermeisterin hakt auf einer Liste ab, welche Direktkandidaten der CDU in einzelnen Wahlbezirken das Rennen gemacht haben. »Die Altstadt zum Beispiel fehlt ja noch!«, verweist Helke Nolte-Ernsting auf eine traditionelle Hochburg der Christdemokraten.
Auch Dr. Volker Brand, Fraktionsvorsitzender der Grünen, verfolgt die ersten Schnellmeldungen angespannt. Über weite Strecken des Abends liefert sich seine Partei ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Bürgern für Bad Oeynhausen. »Als Reiner Bargs Wahlbezirk mit 27,6 Prozent der Stimmen für die BBO in die Rechnung eingeflossen ist, hat das die Zahlen durcheinander gewirbelt«, sagt Volker Brand. Insgesamt gehe er aber davon aus, dass die Grünen drittstärkste Kraft im Bad Oeynhausener Rat bleiben.
Das Entsetzen ist Klaus Breitenkamp, dem ehemaligen Stadtverbandschef der FDP, bereits beim Betreten des großen Sitzungssaales anzusehen, als er die ersten Zwischenergebnisse liest. Ein Wahlergebnis von zwei bis drei Prozent – bei diesem Wert pendeln sich die Liberalen im Laufe des Abends ein – empfindet Klaus Breitenkamp als absolut enttäuschend: »Die Ursache für das schlechte Abschneiden der FDP ist auf Bundesebene zu suchen. Dagegen können wir in Bad Oeynhausen nicht anarbeiten.«
Auf einen holprigen Wahlkampf verweist Thomas Heilig (Unabhängige Wähler). Die Plakate seien kein Glücksgriff gewesen, weil sie deutlich zu kleinteilig waren. »Wir können froh sein, wenn wir unsere zwei Sitze im Stadtrat behalten«, stellt er im Verlauf des Wahlabends fest.
Mit einem weinenden und einem lachenden Auge betrachtet Andreas Korff (Linke) das Abschneiden seiner Partei. »Einerseits freuen wir uns, dass wir nicht mehr die kleinste Fraktion im Stadtrat sind. Andererseits haben wir unser Wahlziel von sechs Prozent nicht erreicht.« Die Hoffnung auf ein drittes Ratsmandat erfülle sich deshalb nicht.
Mit gemischten Gefühlen stehen auch die Bürger für Bad Oeynhausen dem Wahlergebnis gegenüber. Dass Reiner Barg sein Direktmandat im Wahlbezirk 18 (Werste-Nord) knapp an den SPD-Kontrahenten Reinhard Scheer verloren hat, ist schmerzlich. Dass die BBO ihre 2009 aus dem Stand errungenen vier Sitze verteidigt hat, dürfte die Mitglieder allerdings mit Genugtuung erfüllen.
»Wir sind zwar nicht die stärkste politische Kraft, aber wir haben unser Ergebnis leicht ausgebaut«, stellt Dr. Olaf Winkelmann fest. Warum es die SPD nicht geschafft habe, nach 20 Jahren wieder die Nase vorne zu haben, könne er sich nicht erklären, sagt der Stadtverbands- und Fraktionsvorsitzende. »Wir haben einen guten Wahlkampf mit vielen Hausbesuchen gemacht.« Die Ergebnisse sollen bereits am heutigen Montag parteiintern analysiert werden.
Große Veränderungen der politischen Arbeit im Rat sieht Olaf Winkelmann angesichts der neuen Machtverhältnisse nicht. Bündnisse wie die Vierer-Koalition zu Beginn der vergangenen Legislaturperiode hält er für unwahrscheinlich. »Es wird wahrscheinlich jede Partei ihren eigenen Weg gehen«, betont der Sozialdemokrat.
»Ich gehe davon aus, dass wie bisher alle sieben Fraktionen dem neuen Rat der Stadt Bad Oeynhausen angehören werden«, sagt Bürgermeister Klaus Mueller-Zahlmann im Gespräch mit dieser Zeitung. Er nehme an, dass die bisherigen politischen Tendenzen auch in Zukunft Bestand haben werden. Klaus Mueller-Zahlmann: »Ich hoffe jedoch, dass wir nach dem Wahlkampf zu mehr Sachlichkeit zurückkehren, weil kein Grund mehr zur Profilierung besteht.« Ob sich die Suche nach seinem Nachfolger – Klaus Mueller-Zahlmann tritt bei der Bürgermeisterwahl im Jahr 2015 nicht wieder an – auf die politische Arbeit auswirken könnte, will der Amtsinhaber zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren.
Quelle: WB vom 26.05.2014










