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Mindestlöhne keine Jobkiller

Veröffentlicht am 25.08.2008 in Arbeit und Wirtschaft

Das Mindestlöhne die Beschäftigung im Niedriglohnsektor von Ländern wie Deutschland gefährden, sei in der Praxis kaum belegbar, sagt der US-Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Solow. Ängste vor steigender Arbeitslosigkeit bei Einführung eines Mindestlohns seien unbegründet.

"Mindestlöhne führen fast nie zur Arbeitslosigkeit", stellte Solow bei der Präsentation seiner neuesten Forschungsergebnisse während einer Konferenz der Wirtschaftswissenschaften mit 300 Nachwuchsökonomen in Lindau fest. "Unternehmen können die höheren Kosten oft durch höhere Produktivität ausgleichen." Dies, so der Wirtschaftsnobelpreisträger, hätten neue Studien in den USA, den Niederlanden, in Dänemark, Frankreich, Großbritannien und Deutschland gezeigt.

Als Vorurteile wertete er Befürchtungen, viele Unternehmen könnten Mindestlöhne nicht zahlen. Vielmehr würden die Firmen in neue Maschinen investieren oder ihre Produktionsabläufe neu organisieren. "Sie steigern also ihre Effizienz und können deswegen auch die höheren Löhne zahlen", sagte Solow. Damit stellt sich der Wirtschaftsnobelpreisträger gegen eine in Deutschland weit verbreitete Auffassung unter Ökonomen und Wirtschaftsverbänden, dass Mindestlöhne automatisch zu höherer Arbeitslosigkeit führen.

Der Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge verglich in einer aktuellen Studie die Wirkung von Mindestlöhnen auf die Arbeitsmärkte in den USA, Deutschland, Dänemark, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden. Seine Schlussfolgerung: "Der konventionelle Gegensatz zwischen niedrigen Löhnen bei hoher Beschäftigung in den USA und hohen Löhnen bei niedriger Beschäftigung in Europa ist nicht annähernd so deutlich wie gemeinhin vermutet."

Auch der in Chicago lehrende Nobelpreisträger Robert Fogel sieht in Bezug auf den Niedriglohnsektor keine große Gefahr durch Mindestlöhne. "Die dort Beschäftigten arbeiten in Dienstleistungsindustrien, die nicht im internationalen Wettbewerb stehen", sagt Fogel und nennt als Beispiel die Fast-Food-Industrie.

An der traditionellen Wirtschaftstagung in Lindau am Bodensee hatten bis Samstag 15 Nobelpreisträger und 300 Nachwuchswissenschaftler aus mehr als 50 Ländern teilgenommen. In diesem Jahr diskutierten die Teilnehmer vor allem über die Folgen der Globalisierung für die Arbeitsmärkte und die internationale Krise an den Finanzmärkten.

Mehr zum Thema: "Deutschland braucht Mindestlöhne"

 

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